Das Projekt Mooshöfe ist die Vision, eine blühende Oase inmitten einer intensiven Agrarlandschaft am Rande von St. Pölten zu erschaffen, welche durch die Schaffung strukturreicher Lebensräume künftig Raum für Biodiversität und Artenvielfalt, Erholung, Gemeinschaft und naturnahes Lernen bieten soll.

Für diese Vision haben Veronika Neumeister und Hermann Fahrnberger mit tatkräftiger Unterstützung von GYBN Austria (Global Youth Biodiversity Network) im Frühjahr 2023 eine Förderung von Blühendes Österreich und dem Österreichischen Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie in Höhe von 7210€ erhalten, welche nun im Lauf der kommenden zwei Jahre in folgende Maßnahmen investiert wird:

Eine große Steinlinse:
Diese in einen Erdwall eingebettete Ansammlung unterschiedlich großer Steine dient vor allem Reptilien wie Schlangen und Eidechsen als wertvolles Überwinterungsquartier. Hinter und zwischen den Steinen eingebettetes Totholz sorgt im Winter für zusätzliche Verrottungswärme, eine Drainage aus Kies verhindert dagegen die Flutung der Lebensraumstruktur bei Regen.
Die auf der Fläche errichtete Steinlinse ist ca. 600cm breit, 180cm hoch und 200cm tief.

Die Steinlinse kurz nach der Errichtung. Bereits wenige Stunden nach Fertigstellung konnte bereits eine Mauereidechse auf der neuen Habitatstruktur gesichtet werden.

Eine große Sandlinse:
Eine Ansammlung ungewaschenen Sandes in leichter, sonniger Hanglage soll Insekten, wie beispielsweise Sandbienen als Lebensraum dienen, da diese ihre ihre Eier in kleinen Gängen in sandigen Böden ablegen und mit Totholz verschließen. Aber auch Reptilien nutzen solche sandigen Habitate gerne als Eiablage.
Die auf der Fläche errichtete Sandlinse ist ca. 700cm breit, 50cm hoch und 30cm tief und enthält – wie die Steinlinse – eine Kiesschicht als Drainage gegen Staunässe.

Die Sandlinse nach der Fertigstellung im Sommer 2023. Zur Befestigung des Sandes und für eine dezente Schattenspende kann vereinzelt Totholz auf die Sandlinse gelegt werden. Einmal errichtet sollte die Sandfläche möglichst frei von Vegetation bleiben, sowie möglichst frei von Störungen, da diese die Röhren im Sand zerstören und die Larven der Insekten bei lebendigem Leib begraben würde.

Eine Benjeshecke:
Eine Hecke aus Totholz dient nicht nur als wertvoller Lebensraum und Versteck für Kleinsäuger, Vögel und Jungvögel sondern auch als Windbrecher und Habitatvernetzung. Zusätzlich wurden auf dieser Fläche junge, heimische Sträucher zwischen das Totholz gepflanzt, die nun in der Benjeshecke gegen Wildfraß geschützt wachsen können, bis sie eines Tages die verrottende Totholzhecke übernehmen.
Die Benjeshecke misst insgesamt 180m und beinhaltet folgende, heimische Pflanzenarten:

* Sambucus nigra / Schwarzer Holler
* Rosa canina / Hundsrose
* Cornus sanguinea / Blutroter Hartriegel
* Cornus mas / Kornellkirsche
* Corylus avellana / Gemeine Haselnuss
* Prunus spinosa / Schlehdorn
* Carpinus betulus / Gemeine Hainbuche
* Malus sylvestris / Holzapfel

Die Benjeshecke im Herbst 2024. Aufgrund von Totholzmangels und um zu starke Lichtkonkurrenz der jungen Sträucher innerhalb der Hecke zu vermeiden, ist die Höhe des aufgestapelten Totholzes bisher nur ca. 1m hoch.

Eine Streuobstwiese
Streuobstwiesen haben das Potential ein großartiger Lebensraum für diverse Insekten- und Vogelarten sowie Kleinsäuger zu sein. Extensiv gemähte Wiesen, sowie die Blüten und Früchte der Obstbäume dienen dabei als Nahrungsgrundlage, während das Holz von vor allem älteren Obstbäumen wichtige, schwindende Lebensräume für Höhlenbrüter und Insekten bietet. Eine durchdachte Wahl von regionalen, alten Sorten spielt hierbei eine wichtige Rolle zur Erhaltung der genetischen Vielfalt und sorgt für eine optimale Anpassung an den Standort. Insgesamt wurde die bestehende Streuobstwiese um 9 weitere Obstbäume folgender, alter Sorten erweitert:

* 1x Zabergäu Renette (Tafelpfel)
* Goldparmäne (Tafelapfel)
* 1x Hauszwetschke (Zwetschke)
* 1x Quillings Ringlotte (Zwetschke)
* 1x Ungarische Beste Marille (Marille)
* 1x Schattenmorelle (Sauerkirsche)
* 1x Grüne Winawitz-Mostbirne (Mostbirne, da Fläche im Mostviertel)
* 1x Speckbirne (Tafelbirne)
* 1x Alexander-Lukas Birne (Tafelbirne)

Obstbaumpflanzung im Herbst 2023. Aufgrund eines starken Wild- und Wühlmausfraß wurden alle Obstbäume mit Wühlmaus- und Wildfraßgitter und umgeben.

Ein Landschaftsteich:
Da die Projektfläche aufgrund einer lehmigen Bodenbeschaffenheit im Winter zu Staunässe neigt, wird im Frühjahr 2025 ein Landschaftsteich mit einer Überschwemmungszone errichtet werden. Der Teich wird ca. 1250m2 messen und für eine Regulierung der Bodenfeuchtigkeit sorgen. So kann die Gefahr von Staunässe auf der Streuobstwiese nachhaltig reduziert werden, während das dabei entstehende Biotop einen Lebensraum für Amphibien, Fische und wasserlebende Insekten kreieren wird. Anmerkung: Der Landschaftsteich wird nicht von Blühendes Österreich sondern vom Eigentümer der Fläche (Hermann Fahrnberger) finanziert.

Der Zustand der Projektfläche nach einer Starkregenperiode im Herbst 2024. Dieses Szenario zeigt deutlich, dass die Gegend vor einer Drainagierung vor 30 Jahren im Zuge des Ackerbaus aus einem Moor bestand. Somit stellt die Errichtung eines Landschaftsteich auf dieser landwirtschaftlich gewidmeten Fläche eine notwendige Alternative bei nicht möglicher Moorrenaturierung dar.

Ein Blühstreifen:
Um ein umfassendes Nahrungsangebot für Insekten und Kleinsäuger wie den Feldhamster zu schaffen, wird angrenzend an das derzeit noch konventionell geführte Nachbarfeld ein 8m breiter Blühstreifen angelegt werden, welcher in Summe ca. 1200m2 messen wird.

Bildergalerie Juni 2023

Hohes Gras innerhalb des Erdwalls, welcher zunehmend von Pionierpflanzen erobert wird.
Blick vom Erdwall hinab auf die Projektfläche innerhalb des Erdwalls.
Blick vom Erdwall hinab auf die Projektfläche innerhalb des Erdwalls.
Mittig wird ein Ackerstreifen nach Permakulturrichtlinien entstehen, der gemeinschaftlich genutzt werden kann. Rechts daneben wird ein 8m breiter Blühstreifen angelegt, der die konventionell geführten Felder (rechts) von der Biodiversitätsfläche abgrenzt.

Dieses Projekt wird durch den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobiliät, Innovation und Technologie gefördert, die NextGenerationEU und von Blühendes Österreich – BILLA gemeinnützige Privatstiftung kofinanziert.